Hallo Elisabeth,
immer wieder taucht die Frage auf, wie lange man sich jod-arm ernähren soll und wie eine jod-arme Ernährung aussieht.
Viele Schilddrüsenkrebspatienten sind zum Teil sehr verunsichert in der Frage, was sie überhaupt dann noch essen dürfen, da in fast jedem Lebensmittel Jod vorkommt.
Die jod-arme Ernährung ist wichtig, damit bei der Radiojodtherapie (RJT) bzw. der Radiojoddiagnostik (RJD) die verbliebenen Schilddrüsenzellen und Schilddrüsenkrebszellen "hungrig" auf das radioaktive Jod sind, welches sie dann von innen zerstört.
Zunächst ein Überblick, was die Leitlinien zur jod-armen Ernährung sagen:
Östreichische Leitlinie Maligne Tumore der Schilddrüse von Januar 2006 der ACO - ASSO (Österreichische Gesellschaft für Chirurgische Onkologie
Austrian Society of Surgical Oncology)
Diese führt lediglich aus:
Zitat:
Zitat:
Um eine Jodkontamination auszuschließen, sollte die Harnjodidausscheidung <100 µg/gKrea betragen.
(Kapitel 7.1.2.1, Download 21.08.2008)
Verfahrensanweisung der Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin
(RJT und RJD; Stand vom 11. Juni 2007)
Im Abschnitt VI.
Patientenvorbereitung und Vorsichtsmaßnahmenheißt es
Zitat:
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Keine stark iodhaltigen Medikamente (z.B. iodhaltige Röntgenkontrastmittel, iodhaltige Desinfektionsmittel, Iodid-Medikation, iodhaltige Augentropfen) oder Nahrungsmittel (z.B. auch Multivitamin- und Spurenelement-Kombinationen, Seetang) 4–6 Wochen vor der ablativen RIT/RIT von Metastasen.
(....)
Eine iodarme Diät über 2 Wochen vor einer Radioiodgabe wird empfohlen, wenngleich eine Veränderung der Erfolgsrate bei der RIT durch diese diätetische Maßnahme nicht bewiesen ist.
(Verweis auf die Studien: Gotthardt, M. et.al.
ecrease of 99mTc-uptake in autonomous thyroid tissue in Germany since the 1970s. 2006; und Meller, B. et al: Reduced radioiodine uptake at increased iodine intake and 131I-induced release of „cold“ iodine stored in the thyroid. 2005)Und im Abschnitt VII.
Notwendige Informationen gibt es die Ausführung:
Zitat:
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Vermeidung einer Exposition mit iodhaltigem Röntgenkontrastmittel oder mit iodhaltigen Medikamenten sowie Vermeidung einer iodreichen Ernährung.
Es wird also weniger von einer
jodarmen Ernährung gesprochen, sondern betont, dass man
keine jodreiche Ernährung zu sich nehmen soll.
Wie sieht nun also eine jodarme bzw. die Vermeidung einer jodreichen Ernährung aus?
Die Leitlinien und Verfahrensanweisungen machen hier selbst keine Aussagen.
Viel Jod ist in:
* Meeresfisch
* Algenprodukten, Seetang
* Vitaminpräparaten mit Jod
* Jodsalz
* Meeresalz
...
* ferner gibt es das Problem, dass durch Verunreinigungen Milch und Milchprodukte sehr viel Jod enthalten sein kann (manche Bauern desinfizieren die Zitzen der Euter der Kühe mit Jod)
* zu dem können (!) einzelne Milchprodukte durch jod-haltiges Tierfutter auch sehr viel Jod enthalten.
Ob dieser letzte Punkte, wirklich von großer Relevanz ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Diese Position wird vor allem von Jod-Kritikern vertreten.
Als Patient möchte man gerne selber etwas dazu beitragen, dass der Krebs auch wirklich besiegt wird.
Viele Patienten möchten sich daher am liebsten völlig jod-frei ernähren, dies geht jedoch nicht und dies ist auch nicht notwendig.
Für die
Vermeidung einer jodreichen Ernährung ist vor allem wichtig auf die obigen Produkte zu verzichten, insbesondere Meeresfisch und Algenprodukte. Um zu vermeiden, dass man versteckt eine "Jodbombe" zu sich zu nimmt, empfiehlt es sich am besten einseitige Ernährungs- und Trinkgewohnheiten zu vermeiden und sich abwechslungsreich zu ernähren sowe den Konsum von Milchprodukten zu reduzieren, da bei diesen der Jodgehalt nicht angegeben ist.
Damit dürfte es auch auf jeden Fall möglich sein, sich abwechslungsreich zu ernähren.
Die abwechslungsreiche Ernährung ist auch aus anderen Gründen wichtig:
So besteht die Gefahr/der Verdacht, dass der übermäßige (!!) Genuss von cyanidhaltigen Lebensmitteln dazuführen kann, dass das Jod nicht durch die Schilddrüsen(krebs)zellen aufgenommen werden kann.
Man sollte daher auf keinen Fall übermäßig Aprikosenkerne essen, wie dies als "natürliche" Krebstherapie zum Teil empfohlen wird.
Eine kleine Anekdote zum Schluss:
Als ich damals von meiner Schilddrüsenkrebsdiagnose erfuhr und auch den Ratschlag bekam, mich jodarm zu ernähren, bin ich danach in den Supermarkt gegangen, und hab überall nachgeschaut, wo überall JOD-Salz enthalten ist. Dabei habe ich auch bei Fertigprodukten nachgesehen, die ich nie essen würde, weil sie mir nicht schmecken. Ich habe mich dann tierisch darüber aufgeregt, dass fast überall in den Fertigprodukten JOD-Salz ist, und hab die Produkte mit Wut ins Regal zurückgeschmissen.
Bin dann in den BIO-Laden gegangen und habe mir Himalaya-Steinsalz gekauft.
Heute denke ich, es ging mir vor allem darum meine Wut und Ohnmacht über die Krebsdiagnose zum Ausdruck zu bringen, die armen Fertigprodukte konnten dafür nun wirklich nichts.
Mein Endokrinologe damals hat mir übrigens auch empfohlen keine Reisen in die Schweiz und die USA zu machen, weil dort das Trinkwasser sehr jodiert sei. Glücklicherweise bin ich da nicht hingefahren, wer weiß was ich mit den armen Schweizern gemacht hätte.
PS:
(Schweizern und US-Bürgern wird übrigens nicht empfohlen in der Zeit vor der RJT auszuwandern, also nicht verrückt machen lassen.)
LG. Ernst